Was junge Menschen bei der Wahl ihres Ausbildungsbetriebs wirklich wichtig finden
Obstkorb, kostenloser Kaffee, Kicker im Pausenraum. Es gab eine Zeit, da galten solche Benefits als echtes Argument im Recruiting. Heute lockt man damit allerdings kaum noch jemanden hinter dem Ofen hervor – auch keine Auszubildenden. Trotzdem setzen viele Unternehmen weiterhin genau hier an, wenn es um den Bewerbermangel geht. Doch die entscheidende Frage ist: Liegt es wirklich an den Benefits, dass Unternehmen keine Azubis finden?
Der deutsche Ausbildungsmarkt steht vor einer paradoxen Herausforderung: Während über 54.000 Ausbildungsplätze unbesetzt bleiben, finden gleichzeitig rund 84.000 junge Menschen keine passende Stelle. Es wirkt wie ein akutes Matching-Problem. Unternehmen greifen daher zu einem anderen Werkzeug: den sogenannten Benefits. Doch was bringen Zusatzleistungen wie Jobtickets, Weihnachtsgeld oder Rabatte für das Fitnessstudio wirklich? Eine aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung und des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) liefert spannende Einblicke in Angebot und Nachfrage.
Der „Benefit-Boom“: Ein neuer Standard in Stellenanzeigen
Seit dem Jahr 2019 lässt sich in deutschen Stellenanzeigen ein Boom bei den Zusatzleistungen beobachten. Inzwischen enthalten fast drei Viertel (73,9 %) aller Ausschreibungen für Ausbildungsplätze mindestens einen Benefit.
Unternehmen versuchen so, im harten Wettbewerb um Nachwuchskräfte sichtbarer zu werden. Dabei fällt auf, dass Ausbildungsanzeigen besonders bei Zusatzqualifikationen und Weiterbildungsmöglichkeiten punkten: Jede zweite Anzeige wirbt bereits mit Angeboten, die über die Mindeststandards der Ausbildungsordnung hinausgehen.Obstkorb, kostenloser Kaffee, Kicker im Pausenraum. Es gab eine Zeit, da galten solche Benefits als echtes Argument im Recruiting. Heute lockt man damit allerdings kaum noch jemanden hinter dem Ofen hervor – auch keine Auszubildenden. Trotzdem setzen viele Unternehmen weiterhin genau hier an, wenn es um den Bewerbermangel geht. Doch die entscheidende Frage ist: Liegt es wirklich an den Benefits, dass Unternehmen keine Azubis finden?
Der deutsche Ausbildungsmarkt steht vor einer paradoxen Herausforderung: Während über 54.000 Ausbildungsplätze unbesetzt bleiben, finden gleichzeitig rund 84.000 junge Menschen keine passende Stelle. Es wirkt wie ein akutes Matching-Problem. Unternehmen greifen daher zu einem anderen Werkzeug: den sogenannten Benefits. Doch was bringen Zusatzleistungen wie Jobtickets, Weihnachtsgeld oder Rabatte für das Fitnessstudio wirklich? Eine aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung und des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) liefert spannende Einblicke in Angebot und Nachfrage.
Wunsch vs. Wirklichkeit: Was junge Menschen wirklich wollen
Frage für jedes Unternehmen ist: Matcht mein Angebot mit der Nachfrage der Jugendlichen? Die Studie zeigt hier ein differenziertes Bild.
- Finanzielle Extras: Für junge Bewerberinnen und Bewerber stehen finanzielle Extras ganz oben auf der Wunschliste. Über 50 % der Befragten halten Leistungen wie Urlaubs- oder Weihnachtsgeld sowie Mobilitätszuschüsse (z. B. das Deutschlandticket) für „sehr wichtig“ – aber nur etwa 24 % der Ausbildungsanzeigen werben explizit mit Urlaubs- oder Weihnachtsgeld.
- Weiterbildung als Match: Hier treffen sich Angebot und Nachfrage fast perfekt. Rund 45 % der Jugendlichen wünschen sich Weiterbildungen und 50,3 % der Betriebe bieten sie in ihren Anzeigen bereits an.
- Altersvorsorge: Überraschenderweise ist vier von zehn Jugendlichen eine betriebliche Altersvorsorge sehr wichtig. In den Anzeigen für Azubis taucht dieser Punkt jedoch nur in etwa 22 % der Fälle auf – wahrscheinlich oftmals aus der Annahme heraus, dass junge Menschen noch nicht an die Rente denken.
Die Konkurrenz: Ausbildung vs. „Helferjob“
Eine ernstzunehmende Konkurrenz für die duale Ausbildung ist nicht mehr nur das Studium, sondern der direkte Einstieg in den Arbeitsmarkt über ungelernte Helferpositionen. Diese locken kurzfristig oft mit einem höheren Einstiegsgehalt.
Um hier gegenzusteuern, müssen Unternehmen die langfristigen Vorteile einer Ausbildung stärker betonen: Ein Berufsabschluss senkt das Arbeitslosigkeitsrisiko statistisch um das Sechsfache und führt über das gesamte Leben zu einem deutlich höheren Einkommen. Benefits können hier als „Brücke“ dienen, um die finanzielle Attraktivität der Ausbildung bereits in den ersten Jahren zu steigern.
Warum Benefits allein nicht reichen
Benefits sind ein wichtiger Baustein, aber kein Allheilmittel. In der relativen Bewertung der Attraktivität landen Zusatzleistungen bei jungen Menschen oft nur auf den mittleren Plätzen. Viel entscheidender für die Wahl eines Ausbildungsbetriebs sind:
- Ein gutes Betriebsklima.
- Interessante und spannende Tätigkeiten.
- Gute Verdienstmöglichkeiten nach der Ausbildung.
Zusatzleistungen wirken oft erst dann als Zünglein an der Waage, wenn Bewerberinnen und Bewerber zwischen mehreren, ansonsten gleichwertigen Stellen wählen können.
Handlungsempfehlungen für die Praxis
- Leistungen sichtbar machen: Viele Betriebe bieten bereits tolle Leistungen (z. B. Weiterbildungen), vergessen aber, diese in der Stellenanzeige zu erwähnen. Transparenz ist hier das Stichwort.
- Mit Betriebsklima und Nähe punkten: Kleine Betriebe können oft nicht mit den finanziellen Ressourcen von Großkonzernen mithalten. Sie sollten stattdessen mit ihrer persönlichen Nähe und dem familiären Betriebsklima werben – Faktoren, die für Azubis extrem wichtig sind.
- Perspektiven nach der Ausbildung aufzeigen: Werben Sie bereits in der Ausbildung mit Benefits, die nach dem Abschluss winken (z. B. flexible Arbeitszeiten oder Homeoffice), um die langfristige Karriereperspektive aufzuzeigen.
- Kompromissbereitschaft: 67 % der Betriebe stellen bereits Jugendliche ein, die nicht alle geforderten Kompetenzen mitbringen. Die Bereitschaft der Unternehmen ist also da – oft fehlt jedoch die Zeit oder die Struktur, um diese jungen Menschen während der Ausbildung ausreichend zu begleiten. Genau hier können unterstützende Modelle wie die Verbundausbildung ansetzen. Dabei werden Teile der Ausbildung oder auch die komplette fachliche Ausbildung an einen Bildungspartner ausgelagert. Unternehmen bleiben Ausbildungsbetrieb, werden jedoch bei Organisation, der Vermittlung von Zusatzqualifikationen, der Prüfungsvorbereitung oder sozialpädagogischer Begleitung unterstützt. Auch bei der Auswahl geeigneter Bewerberinnen und Bewerber oder beim Onboarding können Unternehmen entlastet werden. Gerade für kleine und mittlere Unternehmen kann dies ein Weg sein, trotz begrenzter Kapazitäten auszubilden und Fachkräfte im eigenen Betrieb aufzubauen. Gleichzeitig erhöht eine strukturierte Begleitung die Wahrscheinlichkeit, dass Auszubildende ihre Ausbildung erfolgreich abschließen und im Unternehmen bleiben.
Ein durchdachtes Paket aus Benefits kann die Attraktivität steigern und helfen, sich von der Konkurrenz abzuheben.