Fachkräfte gesucht, Frauen übersehen

Frau im Handwerk bzw. Berufsalltag als Beispiel für Fachkräfte im Handwerk und neue Zielgruppen gegen den Fachkräftemangel
30. März 2026 5 Min. Lesezeit

Der Fachkräftemangel ist im Handwerk besonders spürbar. Rund 200.000 Stellen sind aktuell unbesetzt, vor allem kleine und mittlere Betriebe sind betroffen. In vielen Unternehmen sind die Auftragsbücher voll, doch es fehlt Personal, um die Aufträge abzuarbeiten. Für viele Betriebe wird der Fachkräftemangel damit zunehmend zu einem wirtschaftlichen Risiko.

Gleichzeitig konzentriert sich die Fachkräftegewinnung in vielen Betrieben noch immer auf die gleichen Zielgruppen wie vor zehn oder zwanzig Jahren. Dabei gibt es Potenziale, die bisher zu wenig genutzt werden. Eine dieser Zielgruppen sind Frauen.

Frauen im Handwerk: Eine unterschätzte Zielgruppe

Frauen sind im Handwerk nach wie vor unterrepräsentiert. Gleichzeitig zeigt sich seit Jahren eine positive Entwicklung. So ist die Zahl der Handwerksmeisterinnen in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, und auch der Anteil von Frauen in handwerklichen Ausbildungen nimmt langsam zu.

Auffällig ist dabei: Frauen arbeiten überdurchschnittlich häufig in Berufen, in denen Fachkräfte besonders stark gesucht werden. Somit tragen Frauen bereits heute dazu bei, Fachkräfteengpässe zu verringern. Ihr Potenzial ist jedoch noch lange nicht ausgeschöpft.

Für Unternehmen bedeutet das: Wer neue Zielgruppen anspricht, erweitert seinen Bewerberkreis und erhöht die Chancen, offene Stellen zu besetzen.

Warum sich immer noch wenige Frauen für einen Handwerksberuf entscheiden

Dass Frauen im Handwerk weiterhin unterrepräsentiert sind, hat verschiedene Gründe:

  • Frauen kommen in der Schulzeit kaum mit Handwerksberufen in Kontakt.
  • Berufsorientierung findet häufig noch in klassischen Rollenbildern statt.
  • In vielen Betrieben fehlen weibliche Vorbilder.
  • Arbeitszeiten oder körperliche Anforderungen schrecken manche Bewerberinnen ab.

Außerdem ist vielen die Bandbreite der Karriere- und Verdienstmöglichkeiten im Handwerk nicht bewusst. Dabei bietet das Handwerk sehr gute Perspektiven: sichere Arbeitsplätze, Aufstiegsmöglichkeiten bis zum Meister oder zur Selbstständigkeit und eine Tätigkeit, bei der konkrete Ergebnisse sichtbar sind. Für Unternehmen kann es sich daher lohnen, gezielt Schülerinnen und junge Frauen anzusprechen und ihnen frühzeitig Einblicke in handwerkliche Berufe zu ermöglichen.

Praxisbeispiel aus Baden-Württemberg: Was funktioniert, um mehr Frauen fürs Handwerk zu gewinnen

Ein Blick nach Baden-Württemberg zeigt, dass gezielte Maßnahmen Wirkung haben können. Dort ist die Zahl der weiblichen Auszubildenden im Handwerk gestiegen. Im Jahr 2025 begannen über 3.800 Frauen eine Ausbildung im Handwerk, rund sechs Prozent mehr als im Jahr zuvor. Inzwischen wird etwa jeder fünfte neue Ausbildungsvertrag im Handwerk von einer Frau abgeschlossen.

Der Anstieg kam nicht zufällig. In Baden-Württemberg wurden gezielt Maßnahmen umgesetzt, um mehr Frauen für das Handwerk zu gewinnen. Dazu gehören spezielle Beratungsangebote, Mentoring-Programme, Netzwerke für Handwerkerinnen sowie gezielte Berufsorientierungsangebote für Schülerinnen. Auch Projekte, die Frauen bei der Übernahme eines Handwerksbetriebs unterstützen, wurden ins Leben gerufen.

Die Entwicklung zeigt: Nicht eine einzelne Maßnahme verändert etwas, sondern die Kombination aus früher Berufsorientierung, Vorbildern, Beratung und konkreten Einstiegsmöglichkeiten.

Was Unternehmen konkret tun können

Wenn Unternehmen mehr Frauen für handwerkliche Berufe gewinnen wollen, reicht es meist nicht aus, nur eine Stellenanzeige zu veröffentlichen. Viele Betriebe müssen aktiver werden und ihre Berufe sichtbarer machen. Mögliche Maßnahmen sind beispielsweise:

  • Praktika gezielt für Schülerinnen anbieten
  • Bei Ausbildungsmessen gezielt auch Mädchen ansprechen
  • Weibliche Auszubildende oder Mitarbeiterinnen als Ansprechpartnerinnen einsetzen
  • In Stellenanzeigen gezielt auch Frauen ansprechen
  • Teilzeit-Ausbildung oder flexible Arbeitszeiten ermöglichen
  • Klare Entwicklungsmöglichkeiten aufzeigen, zum Beispiel Meisterin oder Technikerin
  • Einstiegswege über Umschulung oder Teilqualifizierung anbieten 

Viele dieser Maßnahmen erfordern keinen großen finanziellen Aufwand. Oft geht es vor allem darum, Berufe zu zeigen, Einblicke zu geben und neue Wege in der Fachkräftegewinnung zu gehen.

Neue Zielgruppen werden für Unternehmen immer wichtiger

Neben Frauen rücken auch andere Zielgruppen stärker in den Fokus. Dazu gehören Quereinsteiger, Menschen mit ausländischem Berufsabschluss, Menschen ohne Berufsabschluss, die sich qualifizieren möchten, sowie Personen, die über eine Umschulung in einen Beruf einsteigen.

Für Unternehmen bedeutet das: Fachkräfte zu gewinnen heißt heute oft nicht mehr nur zu rekrutieren, sondern Fachkräfte selbst zu entwickeln.

Fachkräfte finden heißt heute oft: Fachkräfte entwickeln

Viele Unternehmen werden ihre Fachkräfte in Zukunft nicht mehr ausschließlich über den Arbeitsmarkt gewinnen. Stattdessen wird es wichtiger, Mitarbeitende im eigenen Betrieb zu qualifizieren und schrittweise aufzubauen. Typische Wege sind:Neben Frauen rücken auch andere Zielgruppen stärker in den Fokus. Dazu gehören Quereinsteiger, Menschen mit ausländischem Berufsabschluss, Menschen ohne Berufsabschluss, die sich qualifizieren möchten, sowie Personen, die über eine Umschulung in einen Beruf einsteigen.

Für Unternehmen bedeutet das: Fachkräfte zu gewinnen heißt heute oft nicht mehr nur zu rekrutieren, sondern Fachkräfte selbst zu entwickeln.

Gerade im Handwerk funktioniert dieser Ansatz gut, da praktische Erfahrungen eine große Rolle spielt und viele Tätigkeiten Schritt für Schritt erlernt werden können.

Der Fachkräftemangel im Handwerk wird bleiben. Gleichzeitig gibt es Zielgruppen, die bisher zu wenig im Fokus stehen. Frauen sind eine davon. Für Unternehmen kann es sich daher lohnen, gezielt neue Zielgruppen anzusprechen und Fachkräfte stärker im eigenen Betrieb zu entwickeln. Fachkräfte zu sichern, bedeutet heute nicht mehr nur zu rekrutieren, sondern auch zu qualifizieren.

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